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Blog und Diskussion

Mir reicht's: Gewalt in der Partnerschaft

Nikolaus Tsekas - 4.6.2009 08:25

Der Druck steigt, die Krise ist überall – Arbeitsplätze gehen verloren, Beziehungen zerbrechen und Konflikte eskalieren. Mit diesen Folgen sind wir in unserem Arbeitsalltag täglich konfrontiert. So auch Herr P. – er hat zum wiederholten Mal seinen Arbeitsplatz verloren, er ist nicht mehr der Jüngste und durch fehlende Ausbildung hat er auch nicht die besten Chancen, nachhaltig wieder Tritt zu fassen. Er ist frustriert und schwankt zwischen Depression und Aggression. Seit über zehn Jahren ist er verheiratet und aus der Beziehung  entstammt ein gemeinsames Kind.

Nicht nur das Vernachlässigen von Familie, sondern vor allem seine stetige verbale Aggression macht ein Zusammenleben für Frau P. nicht mehr tragbar. Sie entscheidet sich nach vielen Gesprächen und nicht eingehaltenen Versprechungen die Beziehung zu beenden und ihren eigenen Weg zu gehen. Herr P. zieht aus und sie vereinbaren einen Termin, an dem er seine Sachen holen kann. Zu diesem Termin lädt Frau P. Freunde ein, da sie sich nicht alleine dieser Situation aussetzen möchte. Als Herr P. kommt, setzt sie ihn unter Druck, sich zu beeilen, was bei ihm lediglich eine entgegengesetzte Trotzreaktion hervorruft. Ein Wort gibt das andere, im Streit kommt es auch zu körperlicher Auseinandersetzung, Herr P. schlägt zu und einer der Freunde ruft die Polizei, um die Situation zu beenden.

Der Fall wird von der Staatsanwaltschaft dem Tatausgleich bei NEUSTART zugewiesen. Nach Einzelgesprächen mit Herrn und Frau P. kommt es zum Ausgleichsgespräch, das beide Beteiligten wollen, da ihnen bewusst ist, dass sie beide die Sache bereinigen wollen. Die Eskalation war nur die Spitze des Eisberges, die Ursachen sind vielfältig und im gemeinsamen Gespräch klärbar. Wichtig ist beiden, mit professioneller Unterstützung einen konstruktiven Umgang mit der Trennung und dem Sorge-/Besuchsrecht für das gemeinsame Kind zu finden. Das gemeinsame Ziel ist, dass so eine Situation nicht mehr passiert und ein Umgang miteinander gefunden wird, der auch in der Zukunft halten kann. Mit einer schriftlichen Vereinbarung wird der Fall positiv abgeschlossen. Eine Krise wurde bereinigt und damit auch Perspektiven zur Lösung von Konflikten aufgezeigt, auf die Herr P. aufbauen kann.

Das Ergebnis des Forschungsberichts „Legalbiografien von NEUSTART Klienten – Legalbewährung nach Außergerichtlichem Tatausgleich, Gemeinnütziger Leistung und Bewährungshilfe (Veronika Hofinger, Alexander Neumann – Wien, Dezember 2008“ belegt eindrucksvoll, wie erfolgreich die Methoden des Tatausgleichs bei Gewalt in Paarbeziehungen wirken. Der sorgsame, sensible, aber vor allem äußerst professionelle Umgang unter besonderer Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Opfers ergeben, dass bei 89 Prozent der positiv abgeschlossenen Fälle in Partnerschaftskonflikten kein Rückfall eingetreten ist.

Nikolaus Tsekas ist Leiter von NEUSTART Wien 2

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