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Blog und Diskussion

Teurer Hauskauf – oder wieder einmal Sex and Crime

Dr. Elisabeth Grabner-Tesar - 18.2.2009 08:41

Ein Haus wird gefunden und gekauft, dringender Wohnbedarf und passabler Preis sind vorhanden – all das wäre nicht der Rede wert. Interessant wird es, wenn der Preis eines Hauses dessen Wert übersteigt und sich dennoch Käufer finden. Aus welchem Grund sind etliche Menschen gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten bereit, einen extra hohen Preis zu bezahlen? Ist es der selbstreinigende Swimmingpool, die Bio-Sauna, der begrünte Dachgarten?

Falsch, es ist ein besonderer Kick, die heimliche Lust an Sex and Crime, die einem derzeit zum Verkauf angebotenen Haus in Amstetten innewohnt – dem Haus, in dem ein Vater seine Tochter jahrelang eingesperrt und missbraucht haben soll. Die Augen des Masseverwalters leuchten zufrieden – das Haus ist heiß begehrt – und so kommt jeder auf seine Rechnung. Das erinnert alles ein bisschen an die boomende Branche des Katastrophentourismus: Menschen verbringen ihren Urlaub neuerdings gerne in von Erdbeben oder Tsunamis zerstörten Gegenden, um sich von Alltagsstress und drohendem Burn-out zu erholen. Aber wozu in die Ferne schweifen, wird einem doch der Horror täglich und kostengünstig medial ins Haus geliefert?

Manch ein Bischof vermeint darin glasklar die Tarnkappe des Teufels zu erkennen. Flucht wäre angesagt angesichts des entblößten Pferdefußes. Doch einige werden durch innere oder äußere Barrieren an rechtzeitiger Rettung gehindert und verschwinden gnadenlos im stickigen Keller eines unscheinbaren Hauses oder versinken in den Fluten eines gewaltigen Tsunami. – Unbeeindruckt entsteigt bereits die nächste Reisegruppe dem Flugzeug.

Das Abscheuliche erfreut sich großer Nachfrage, die Faszination der Zerstörung, des Bösen hat Konjunktur. Das heftig begehrte Horrorhaus in Amstetten beherbergt den Geist von Täter und Opfer – eine moderne Variante der englischen Spukschlösser also. Dem zukünftigen Hausherrn / der zukünftigen Hausfrau bieten sich damit vielfältige Identifikationsmöglichkeiten. In einer Art Reality-Show kann die aufregende Berührung mit der Gefahr geahnt werden. Der echte Täter ist bereits hinter Gittern, die eigenen Täter- und/oder Opferphantasien tummeln sich im Kellergewölbe – eingekerkert und verborgen. Unter Ausblendung realer innerer und äußerer Gefahren kann sich die Angstlust in phantastischen Inszenierungen entfalten. Im "thrill" verknüpfen sich Furcht und Wonne mit der berechtigten Hoffnung, die nun selbst herbeigeführte Gefahr bewältigen zu können. Die Faszination des Verbotenen, Abscheu und Anziehung, die Ahnung, selbst der Verführung eigener verbotener Impulse erliegen zu können – das ist "guilty pleasure", wie der Engländer sagt.

Die Seele ist bekanntlich ein weites Land. Die wirkliche Gefahr lauert in manchen unbekannten, oft auch wilden, gefährlichen Landstrichen/Gegenden. Diese zu entdecken und zu zähmen ist eine lohnende Aufgabe. Gelingt dies nicht, so kann ein simpler Hauskauf zu einer verdammt teuren Angelegenheit werden.

Auch die Professionisten bei NEUSTART und in vielen anderen Organisationen arbeiten in diesem hochsensiblen Arbeitsfeld, es ist eine tägliche Begegnung mit Grenzüberschreitungen aller Art. Wie entgeht man in diesem Beruf den Verlockungen von Sex and Crime, dem Wunsch nach kontrollierbarer Gefahr, aber auch nach heiler Haut? Weder die Emotionen der Angst, der Vergeltung und Rache noch die Emotionen der heimlichen Thrills, der Angstlust und aufregenden Spannung können das Leid dieser menschlichen Katastrophen reduzieren. Faszination verführt zu Verharmlosung, heimliche Angst zu Dämonisierung.

Professionisten in diesem Arbeitsfeld schützen sich durch solides Fachwissen, durch schonungsloses Hinterfragen eigener Handlungsmotive und durch regen fachlichen Austausch. Sie arbeiten hart und erfolgreich, aber sie wissen – sie bearbeiten nur die Spitze des Eisberges, solange der Markt für Sex and Crime existiert.

Dr. Elisabeth Grabner-Tesar ist Leiterin von NEUSTART Wien 21 / Korneuburg

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